Judith Randolph tells her story
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Der Anfang, ganz einfach...

Ich erinnere mich noch daran als wäre es gestern gewesen. Auch wenn das ein abgedroschener Satz ist, verliert er trotzdem nichts von seiner Gültigkeit. Ich war unendlich jung, keine zwanzig, als das Leben mich in dieses riesige Kaltwasserbecken stürzte und nicht aufhören wollte, Eiswürfel nach zu kippen. Entschuldigt meine Unhöflichkeit. Wo hab' ich bloß meine Manieren gelassen? Mein Name ist Judith Randolph, ich bin mittlerweile jenseits der magischen Dreißig angekommen und das macht mir keine Angst mehr, auch wenn ich damals immer gesagt habe ich würde lediglich 29a, 29b, 29c und so weiter. Damals, das war vor etwas mehr als zehn Jahren. Ihr müsst mir aber versprechen, da zu bleiben, wenn ich jetzt weitererzähle. Ich habe das Problem, dass meine Zuhörer beginnen, abzuwandern, sobald ich konkret werde. Okay. Vor gut zehn Jahren kippte mein Leben um. Positiv wie negativ, und letztlich ist es gut, dass alles so kam wie es gekommen ist. Wäre ja auch tragisch, wenn ich anders denken würde. Ich lebte direkt in der Wohnung neben meinem Bruder Brian, einer unglaublichen Nervnase, Gott hab ihn selig. Egal was man über ihn sagen konnte, er hatte das nicht verdient. Aber ich glaube ich sollte das ganze von Anfang an erzählen und nicht irgendwo in der Mitte anfangen. Sonst laufen mir meine Zuhörer ja nur wieder weg.


Die 90er, das Jahrzehnt der riesigen Handys und der Popmusik und der Angst vor dem Millennium-Bug. Ein bisschen von allem hatte ich in meiner Wohnung gehortet und vermutlich sind beim Jahreswechsel 99 – 2000 nur deshalb keine Flugzeuge abgestürzt, weil der Millenniumbug in meiner Wohnung einfach verloren gegangen war. Ich erinnere mich noch daran, dass ich diese unglaublich dämlichen gelben Socken an hatte. Mein Blick klebte bestimmt fünf Minuten lang an meinen Füßen, als ich den Anruf erhielt, der die Lawine lostreten sollte. Es war Nachmittag, ich war von der Arbeit gerade erst wiedergekommen und hatte meine Turnschuhe in irgendeine Ecke gekickt, in der ihr Aufprall nichts wichtiges kaputt machen konnte. Das Telefon klingelte und der Ton war einfach nervtötend. Egal welche Klingelmelodie ich auch auswählte, sie waren alle gleich unerfreulich.

„Ja.“, meinte ich lakonisch in den Hörer, in der Hoffnung den Anrufer damit abzuschrecken.

Nichts.

„Ja?“ Zur Abwechslung deutlich lauter als mein erstes ja.

Etwas klickte im Hörer und ich verdrehte wie automatisch die Augen nach oben. Bitte, bitte keine anonymen Anrufer, bitte keine Werbung, bitte keine Betteleien.
Ich drückte den Auflegen-Knopf und stellte das Telefon zurück in seine Ladestation. Als hätten sie sich abgesprochen klingelte es in diesem Moment an der Tür, gleichzeitig mit dem Bestätigungspiepsen des Mobilteils. In ein paar weit ausgreifenden Schritten war ich an der Tür, schaute durch den Spion und sah einen hoch geschossenen jungen Mann und eine kleinere Frau. Er nestelte etwas aus seiner Manteltasche.

„Was kann ich für Sie beide tun?“ fragte ich, und gab mir Mühe freundlicher zu sein als zu dem Anrufer gerade eben.

„Judith Randolph?“ wollte die Frau wissen.

Ich nickte und machte mhm. Die beiden sahen sehr förmlich aus, schon allein deshalb fand ich Höflichkeit angebracht. Für den Fall dass sie mich missionieren wollten hatte ich bereits ein paar pfiffige Strategien parat.

7.3.08 01:00
 


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